Das fände ich spannend: nackt im Museum - sei es als Besucher, sei es als Modell...

Ein paar Reflexionen über die Nacktheit...

Wie eingangs beschrieben, interessiert mich auch der gesellschaftlich-kulturelle Aspekt menschlicher Nacktheit: die Rolle des unbekleideten Körpers und das Verhältnis zwischen Angezogenen und Nackten. Im Folgenden einige Überlegungen zu diesem Thema - aus meinen Tagesnotizen wie auch die „realen Erlebnisse“:

 

 

Museum I: Besuch einmal anders

 

 

 


Museum II: Künstlerin Stefanie Trojan bei einer Performance 

Film I: Maggie Gyllenhaal bei einer Leibesvisitation in "Strip Search" (USA 2004)

 

Nacktheit ist nicht nur das Fehlen von Kleidung; stets kommt es bei ihr auf den Kontext an, darauf, wie wir sie wahrnehmen, deuten, bewerten, wie wir mit ihr um­ge­hen. Es kommt darauf an, wann und wo sie verpönt, wann und wo toleriert, wann und wo gar erwünscht – oder notwen­dig – ist, kurzum: wann und wo wir sie (sei es an an­de­ren oder uns selbst) als passend oder unpassend ansehen. Ob ih­re Absicht eine ero­ti­sche ist oder nicht. Ob sie das Resul­tat eigenen oder frem­den Bestimmens ist, ob sie freiwillig zu­stan­de kam oder durch Zwang. Ob sie Befreiung her­vor­ruft oder im Ge­gen­teil Schutzlosigkeit und Erniedrigung.

 

Nackt bei der Musterung

 

Ob sie ein spe­zi­el­les Bedürfnis und Lebensgefühl zum Aus­druck bringt. Ein be­sonderer Spannungsgrad, positiv wie ne­gativ, kommt zu­stan­de, wenn Nackt und Bekleidet zuein­an­der in Beziehung tre­ten und dabei beide Geschlechter in un­terschiedlichen Rol­len beteiligt sind. Da gibt es die Lei­bes­­visitation und die Musterung, das Fotoshooting oder den Akt­zeichenkurs, das „gemischte“ Zusammentreffen an Strand oder Bag­ger­see, die Stripper/-innen und Nacktkellner/-innen auf Partys, die nackten Akteure auf Bühnen oder vor Kameras… Längst haben sich Rollenspiele und Fetische um dieses The­ma entwickelt – zum Beispiel Zusammenkünf­te, bei denen be­stimmte Teilnehmer (mal Männer, mal Frau­en) voll­stän­dig nackt zu sein haben, während die übri­gen gänzlich be­klei­det sind.

 

Nacktheit als Ausdruck von Protest (2013)

 

Herausfordernd wird es wie im­mer dann, wenn ge­wohnte Verhaltensmuster auf den Kopf ge­stellt werden. Was Aktzeichen-Neulingen anfangs zu schaf­fen macht, ist die Tatsache, dass sie zu etwas ansons­ten Verpöntem ge­zwun­gen sind: Sie müssen Voyeure sein, un­geniert hin­schauen. Von dem Modell wird – und das ist na­tür­lich genauso ge­wöhnungsbedürftig – verlangt, Exhi­bi­ti­o­nist zu sein und sich den Blicken der Starrenden zu prä­sen­tieren.

 

Bei den alten Ägyptern und Griechen soll es nicht un­ge­wöhn­­­lich gewesen sein, dass auch Erwachsene unbekleidet in Dörfern und Städten umhergingen. Berühmt ist die (wah­re?) Anekdote von Archimedes, der in einem Bad eine wich­­tige Eingebung hatte, aufsprang und split­ter­nackt nach Hau­­­se lief.

 

Film II: Danielle de Luca kämpft um ihr nacktes Überleben in "Naked Fear" (USA 2007).

 

Nachtrag zu der in einen bestimmten Kontext ein­ge­betteten menschlichen Nacktheit: Beeindruckend finde ich Aus­­schnitte eines pas­sen­der­wei­se mit Na­ked Fear überti­tel­ten amerikanischen B-Mo­­vies, die ich vor kurzem im In­ter­net vorfand. Dort kämpft ei­ne Frau im wahrsten Wortsinn um ihr nacktes Über­­­­leben: Ein Killer betäubt sie, legt sie un­­bekleidet in die Wild­­nis und jagt sie. Das Leben der Frau ist nicht nur durch den Bö­se­­­­wicht, son­dern auch durch die Na­tur (Hitze, Schlan­­­­gen) ge­­­­­fähr­det, die dank der Nackt­­heit des Opfers noch wirksamer angreift. Das Fehlen der Klei­dung ver­grö­ßert die Un­­­­gleich­heit zwi­schen den gegneri­schen Parteien noch um ein Be­trächtliches.

 

Akt der Befreiung: Sila Sahin nackt im Playboy (2012)

 

Noch einmal zur Nacktheit. In unserer Zeit wird das Ausziehen oft als ein Akt der Befreiung vollzogen: Be­frei­ung von Sachzwängen und Konventionen. Man legt sei­ne Kleidung ab, um dadurch Freiheit und Unbeugsamkeit aus­zudrücken. Nicht von ungefähr war die Nacktkultur in der DDR verbreitet als eine der wenigen Freiheiten, die man dort ausleben durfte. Heute gibt es in einigen osteuropäi­schen Staaten, in denen die Demokratie noch zu kämpfen hat, Oppositionsgruppen, die mehr oder weniger nackt pro­tes­tieren. Auch denke ich bei dieser Aufzeichnung an Sıla Şa­hin, eine türkischstämmige Schauspielerin: Diese ent­blät­ter­te sich für den Playboy und verstand dies als Akt der Eman­zipation von den orientalisch-muslimischen Sitten und Re­geln.

 

Museum III: Performance auf der Art Basel (2012)

Film III: Models nackt auf dem Laufsteg in "Prêt-à-Porter" (USA 1994)

Nackt auf der Bühne: Daniel Radcliffe im Theaterstück "Equus" (2007)

 

Wäh­­rend des Aktstehens denke ich über das Ver­­hältnis von Offenheit und Ver­schlossenheit nach, wel­che leicht Hand in Hand gehen kön­­­nen: Da gibt es Personen, die ihr Privat- und In­timleben un­­gehemmt aus­plaudern, sich aber niemals öf­fentlich aus­zie­­hen würden; und andererseits solche, die sich vor fremde Per­­sonen nackt hinstellen, außer der Haut aber nichts von sich preisgeben. Obwohl sie jeden Qua­drat­zen­ti­me­­ter des Kör­pers zur Schau stellen und den Betrachtern aus­­giebig Ge­­le­gen­­heit bieten, alle Details ganz ge­­nau zu studieren, wah­ren sie doch die Pri­vatsphäre, da sie ihr Inneres un­ter Ver­schluss hal­ten. Dozentin und Zeichnende wer­den auch nach dem Ende der heutigen Stun­de fast nichts über mei­ne Per­­sön­­lich­­keit wis­­sen, auch wenn ihnen alle Details meines Kör­pers bekannt sind.

 

Fetisch I: bekleidete Frauen mit nacktem Mann

 

Der Begriff Exhibitionismus hat eine negative Be­­deu­tung. Aber das Phänomen ist nur dann zu ver­werfen, wenn es nicht beiderseits auf Akzeptanz oder bes­ser noch Wohl­­­wollen stößt. Warum nicht sich zeigen, wenn man sich se­­­hen lassen kann und es keinen empört? Es gibt zahlreiche Mög­­­lichkeiten, so etwas aus­zu­le­ben, ohne mit dem Ge­­setz in Konflikt zu geraten. Ich kann und will nicht ver­heh­­len, dass auch das Mo­dell­stehen einem sol­­chen Zug ent­springt. Einen prickelnden Reiz ge­winnt die einseitige Nacktheit, las­tet ihr ein Charakter des Aus­ge­lie­fert­­seins an: Kann der Strand- oder Saunabe­su­cher sich bei Be­­darf weg­dre­­hen oder be­­­­­decken, ist das dem Akt­modell kaum mög­lich. Es muss in der eingenommenen Po­se ver­har­­ren – ganz gleich, was ge­schieht.

 

Fetisch II: bekleideter Mann mit nackter Frau 

 

Es wäre keine schlechte Idee, sich in re­gel­mä­ßi­gen In­ter­­vallen nackt fo­tografieren zu las­sen, um die Ent­wick­­lung des ei­genen Körpers zu doku­men­­tieren. Ver­­än­de­run­­­­gen, die ei­nem dann auffallen, sollte man we­niger als Al­­tern denn viel­mehr als Rei­fung begreifen – zu­mal man­che Men­­schen sich mit den Jahren, Jahrzehnten sogar noch ver­­bes­­sern.

 

 

Filmrolle Aktmodell

Gelegentlich schlüpfen Filmstars in Adams- und Evakostüme und machen auf Aktmodell. Der Hauptunterschied zu den echten Modellen: Es schauen mehr Leute zu!

 

 

 

 

 

 

 

Einer meiner Lieblingsfilme: La Belle Noiseuse (Die schöne Querulantin, Frankreich 1991) mit Michel Piccoli und Emmanuelle Béart - wahrlich ein  Augenschmaus! Drei Videos gibt es unter Links

Markus Meyer und Tina Ruland in Vier Küsse und eine E-Mail (Deutschland 2002). Welcher Mann stünde bei dieser Künstlerin nicht gern Modell!

 

 

 

 

Leonor Varela in Les Infortunes de la Beauté (Frankreich 1999) - ein Video gibt es unter Links

 

 

 

 

 

 

Jürgen Vogel landet in Kleine Haie (Deutschland 1992) als Aktmodell vor Studenten.

 

 

 

 

 

Laura Linney in Maze (USA 2000) - auch hierzu gibt es ein Video.

 

 

 

 

 

Valentina Cervi und Yann Trégouët in Artemisia - Schule der Sinnlichkeit (Frankreich/Deutschland/ Italien 1997)

 

Diese Szene kennt wohl jeder: Kate Winslet nackig in Titanic (USA 1997) - natürlich habe ich auch das entsprechende Video eingestellt.

 

 

Marco Dapper zeigt seinen Astralkörper in Eating Out 2 (USA 2006) - siehe auch das Video unter Links.

 

 

 

 

 

 

Valérie Kaprisky tanzt in Andrzej Zulawskis Skandalstreifen Die öffentliche Frau (Frankreich 1984) nackt für einen Fotografen - Video habe ich eingestellt.